Sardinien Urlaub Tipps: Was ich nach 15 Reisen auf die Insel gelernt habe
Sardinien ist anders. Und genau das ist das Problem für viele Erstbesucher.
Sie buchen einen Flug nach Olbia, ein Hotel in der Nähe der Costa Smeralda, und denken, sie hätten die Insel gesehen. Dabei haben sie nur ein Fünftel gesehen – und das auch noch das teuerste und überlaufenste.
Ich war in den letzten Jahren immer wieder auf Sardinien. Mal mit dem Wohnmobil, mal mit Kindern, mal nur zu zweit. Bei einer Sache bin ich inzwischen ziemlich stur: Wer Sardinien wirklich erleben will, muss den Mut haben, den Nordosten zu verlassen.
Dieser Artikel ist das Ergebnis aus etlichen gefahrenen Kilometern, ein paar Fehlentscheidungen (dazu später mehr) und einigen Erkenntnissen, die ich gerne vor meiner ersten Reise gehabt hätte. Ehrlich, das hätte mir einiges erspart.
Wichtige Erkenntnisse
- Die schönsten Strände findet man nicht an der Costa Smeralda, sondern im Golf von Orosei – die Cala Luna erreicht man aber nur per Boot oder Wanderung.
- Mit dem Mietwagen ist man in der Hochsaison oft schneller als mit der Fähre – aber nur, wenn man die Fähre nach Olbia oder Golfo Aranci nimmt.
- September ist der beste Monat. Das Meer hat noch 24 Grad, die Preise fallen um ein Drittel, und die Strände werden wieder italienisch statt deutsch.
- Der Süden (Cagliari, Chia, Pula) ist unterschätzt: günstiger, wilder und mit den archäologischen Stätten von Nora und Barumini kulturell viel spannender.
- Das eigentliche Sardinien spielt sich im Landesinneren ab – in Orten wie Orgosolo, wo die Murals ganze Häuserwände erzählen.
Der wichtigste Sardinien-Urlaub-Tipp überhaupt: die Reisezeit
Hier ist die Sache mit Sardinien: Die Insel hat pro Jahr etwa 300 Sonnentage. Das ist kein Geheimnis. Das Geheimnis ist, wann man hinfährt, ohne sich am Strand wie in einer Sardinenbüchse vorzukommen (ja, der Kalauer musste sein).
Juli und August sind die Hölle. Nicht überall, aber an allen bekannten Stränden. Ich habe in Cala Gonone erlebt, wie sich eine Horde von Urlaubern schon um 7 Uhr morgens auf den Weg zum Bootsanleger machte, um einen Platz auf einem der Ausflugsboote zu ergattern. Das ist kein Urlaub, das ist ein kleiner Job. September ist mein klarer Favorit. Das Meer hat noch Badetemperatur, die Sonne brennt nicht mehr ganz so aggressiv, und die Italiener sind längst wieder bei der Arbeit. Die Restaurants haben geöffnet, aber du bekommst einen Tisch, ohne vorher zu reservieren. Die Preise für Unterkünfte fallen spürbar – ich habe schon Bungalows für 30 Prozent weniger bekommen als im August. Mai und Juni sind ideal für Wanderer und alle, die es lieber ruhig mögen. Das Wasser ist dann aber noch frisch – ich bin im Mai mal bei Santa Maria Navarrese geschwommen und hatte danach blaue Lippen. Im Juni geht es dann langsam.Wer im Winter hinfährt, ist entweder verrückt oder liebt Stürme. Die Fähren fahren zwar, aber viele Hotels und Restaurants an der Küste schließen komplett. Das Landesinnere hingegen hat seinen eigenen Charme – aber das ist eher etwas für Hartgesottene.
Anreise: Fähre oder Flug – und was niemand erzählt
Die größte Fehlentscheidung meiner ersten Sardinien-Reise war das Transportmittel. Ich hatte ein Flugticket nach Cagliari gebucht und dachte, ich miete mir vor Ort einen Wagen. Was ich nicht wusste: In der Hochsaison sind die Mietwagen auf Sardinien eine Mangelware.
Ich stand also am Flughafen, alle Schalter hatten "Sold out" auf ihren Schildern. Zwei Stunden habe ich gebraucht, um einen Kleinwagen von einem lokalen Anbieter zu bekommen – für einen Preis, der mich bis heute ärgert.
Mein Rat lautet deshalb:
- Mietwagen immer vorab online buchen, am besten mit kostenloser Stornierung. Und zwar nicht beim ersten Anbieter, sondern durch Vergleichsportale – die Preise schwanken gewaltig.
- Mit der Fähre anreisen (Genua, Livorno, Civitavecchia) lohnt sich nur, wenn man den Wagen wirklich braucht und mehrere Wochen bleibt. Die Überfahrt kostet mit Kabine schnell 200 Euro pro Person und mehr – und dann noch das Auto.
- In Olbia landen statt in Cagliari, wenn der Fokus auf dem Norden und Osten liegt. Der Flughafen ist kleiner, die Wege kürzer.
Ein Detail, das kaum jemand erwähnt: Die Fähren nach Sardinien sind im Sommer oft ausgebucht. Wer spontan bucht, zahlt nicht nur mehr, sondern bekommt manchmal gar keinen Platz mehr. Das habe ich bei einem Freund erlebt, der im August nach Olbia wollte und drei Wochen vorher keine Kabine mehr bekam. Sein Urlaub war gerettet, weil er auf den Flug umgebucht hat – aber das Chaos hätte er sich sparen können.
Ein Wort zu Bussen und Bahn
Das öffentliche Verkehrsnetz auf Sardinien ist für eine Insel, die man mit dem Auto erkunden muss, einfach nicht ausreichend. Die Busse der ARST fahren zwar die größeren Städte an, aber die Takte sind dünn, und die schönen Buchten sind oft gar nicht angebunden.
Ich habe es einmal versucht – wirklich. Ich wollte von Cagliari nach Chia fahren, um einen Nachmittag am Strand zu verbringen. Der Bus fuhr um 9:15 Uhr ab, um 11:30 Uhr war ich da, und der letzte Bus zurück ging um 16 Uhr. Für 4,5 Stunden Strand inklusive Anreise? Nicht meine Vorstellung von Entspannung.
Nehmen Sie sich einen Mietwagen. Ja, auch wenn Sie eigentlich keinen brauchen. Auf Sardinien ist er kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
Sardinien, wo am schönsten? Ehrliche Antworten für Paare, Familien und Wanderer
Diese Frage bekomme ich ständig gestellt: "Wo ist es am schönsten?" Und jedes Mal zögere ich, weil die Antwort wirklich von dem abhängt, was man sucht.
Für mich persönlich – und jetzt werde ich ein bisschen subjektiv – ist die Antwort auf "Wo am schönsten" eine andere: die Südküste bei Chia. Dort gibt es wilde Dünen, die bis ans Meer reichen, einen Pinienwald, der Schatten spendet, und selbst im August ist es nicht so überlaufen wie im Norden. Und das Beste? Die Preise liegen spürbar unter denen der Costa Smeralda.
Mein Geheimtipp, den Sie in keinem Reiseführer finden
Alle schreiben über die Cala Mariolu, die Cala Luna und die Costa Smeralda. Verständlich. Aber der wahre Zauber Sardiniens liegt anderswo.
Orgosolo. Ein Dorf in den Bergen, umgeben von den Wänden des Supramonte. Auf den ersten Blick wirkt es unscheinbar – aber dann sieht man die Murals. Wandmalereien, die die Fassaden der Häuser bedecken: politische Statements, Szenen aus dem sardischen Leben, Kritik an Kriegen und Ungerechtigkeiten.
Ich war das erste Mal vor ein paar Jahren dort und habe drei Stunden gebraucht, um alle Bilder anzusehen. Es ist kein klassischer "Urlaubsort", sondern ein lebendiges Museum – und es zeigt eine Seite Sardiniens, die viele Urlauber nie zu Gesicht bekommen.
Was das mit Ihrem Urlaub zu tun hat? Alles. Wenn Sie einen halben Tag einplanen, verstehen Sie die Insel besser als nach einer Woche am Strand. Die Sarden sind stolz, eigenwillig und haben eine Geschichte, die von Unterdrückung und Widerstand erzählt. Diese Bilder machen das greifbar.
Kleine Festivals, die das echte Sardinien zeigen
Ein anderer Tipp, der viel zu selten genannt wird: die lokalen Feste. In vielen Dörfern feiert man im September die Ernte, im Mai die Schutzheiligen. Wenn Sie in einem Dorf ein Fest mitbekommen, lassen Sie alles stehen und liegen. Die Musik, das Essen, die Menschen – das ist kein inszeniertes Spektakel für Touristen, sondern gelebte Tradition.
Ich bin einmal zufällig in einem kleinen Dorf bei Nuoro in eine Prozession geraten. Die Frauen trugen traditionelle Trachten, die Männer spielten Launeddas, ein uraltes Blasinstrument. Niemand hat mich angesprochen, aber ich durfte zuschauen. Das bleibt mir mehr in Erinnerung als jeder Strand.
Strände: Nicht jede Bucht ist so idyllisch wie auf den Fotos
Jetzt muss ich eine Sache loswerden, die mir nicht gefallen wird: Sardinien hat wunderschöne Strände, aber viele sind im August kaum zu genießen.
Die Cala Mariolu zum Beispiel, die auf jedem Foto wie ein Paradies aussieht. Ja, sie ist traumhaft. Aber um sie zu erreichen, müssen Sie entweder eine anstrengende Wanderung durch die Berge auf sich nehmen (ca. 2 Stunden, Trittsicherheit erforderlich) oder mit einem der vielen Boote fahren, die im Sommer Schlag auf Schlag anlegen. Es gibt sogar Berichte über Boote, die sich an der Bucht gegenseitig behindern – so voll ist es.
Ähnlich ist es mit der Cala Luna. Die Bucht ist spektakulär, keine Frage. Aber eben auch überlaufen.
Wenn Sie den gleichen Effekt mit einem Bruchteil der Menschen haben wollen, fahren Sie nach Cala Goloritzè. Die ist zwar auch kein Geheimtipp mehr, aber weil man sie nur über einen steilen Wanderweg erreicht, bleibt sie deutlich ruhiger. Unten angekommen, werden Sie mit einem der schönsten Naturstrände der Insel belohnt.
Kostenlose Strände statt privater Liegewiesen
Ein praktischer Tipp: Viele Strände an der Costa Smeralda haben Strandabschnitte, die von Hotels oder Badeanstalten bewirtschaftet werden. Dort zahlen Sie für Liege und Schirm schnell 35 bis 50 Euro pro Tag. Für eine Familie mit zwei Kindern wird das schnell teuer.
Die Alternative sind die freien Strände – zum Beispiel in der Nähe von San Teodoro oder im Süden bei Pula. Dort legen Sie einfach Ihr Handtuch auf den Sand, und der Strand ist genauso schön. Der einzige Unterschied: keine Bar nebenan. Das lässt sich aber mit einer Kühlbox lösen – die habe ich inzwischen immer dabei.
Und noch etwas: Die Strände mit Strandbar sind nicht unbedingt die gepflegtesten. Manche haben mit Algenanschwemmungen zu kämpfen, was in der Hauptreisezeit gerne mal unangenehm auffällt. Die freien Strände sind da oft natürlicher und trotzdem sauber – und erst recht kein Grund, sie zu meiden.
Was Sardinien wirklich kostet: mein ehrliches Budget
Die meisten Reiseführer schreiben "Sardinien ist nicht billig" – und lassen es dabei. Ich habe es nachgemessen, mit dem eigenen Geldbeutel.
Als ich vor einigen Jahren mit meiner Familie (2 Erwachsene, 2 Kinder) eine Woche auf Sardinien verbracht habe, sah die Rechnung so aus:
- Fähre mit Kabine (Genua–Olbia, Hin und zurück): ca. 420 Euro
- Ferienwohnung in Cala Gonone (7 Nächte): 650 Euro
- Mietwagen (Kleinwagen, 7 Tage): 280 Euro inkl. Vollkasko
- Benzin für 800 km: ca. 110 Euro
- Essen gehen (2-3x am Tag, abends auch im Restaurant): ca. 75 Euro pro Tag
- Bootsausflug zum Golf von Orosei (4 Personen): 120 Euro
Macht zusammen etwa 2.400 Euro für eine Woche – ohne Einkäufe und Souvenirs. Klingt viel? Ist es auch. Aber es ist machbar, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.
Der größte Kostenfaktor auf Sardinien ist das Essen. Die Preise in den Restaurants orientieren sich stark an den Touristenzentren. Ein Fritto Misto am Hafen von Alghero? 18 Euro. Eine Pizza im Landesinneren? 10 Euro. Die Fahrt ins Hinterland lohnt sich also nicht nur für die Landschaft, sondern auch für den Geldbeutel.
Norden oder Süden – wo ist es günstiger?
Meine Erfahrung ist eindeutig: Der Süden ist billiger als der Norden. Das betrifft nicht nur die Unterkünfte, sondern auch die Restaurants. In Cagliari zahlt man für ein Dinner mit Wein oft 30 Prozent weniger als in Porto Cervo – bei gleicher Qualität, ehrlich gesagt sogar oft besser.
Der Preisunterschied ist so groß, dass es sich lohnt, die Route danach zu planen. Wer eine Woche im Norden und eine im Süden verbringt, wird den Unterschied im Geldbeutel merken.
Die 5 Fehler, die ich auf Sardinien gemacht habe – und Sie nicht machen sollten
Aus Fehlern lernt man – hier sind meine, gratis.
- Ich habe die Mietwagen-Saison unterschätzt. Ich bin im August gelandet und hatte keinen Wagen. Stand am Flughafen, sprachlos. Buchen Sie immer vorab, auch wenn Sie glauben, es sei entspannt.
- Ich habe an einem Strand übernachtet, den ich nur per Boot erreicht habe.
- Ich habe im Juli einen Besuch der Nekropole von Anghelu Ruju geplant. Bei 35 Grad im Schatten – keine gute Idee. Machen Sie das morgens oder besser im September.
- Ich habe die Anreise über die Fähre mit dem Wohnmobil nicht einkalkuliert. Das ist ein kniffliges Unterfangen auf den engen Bergstraßen, das ich nicht weiterempfehle, wenn man nicht geübt ist.
- Ich habe mich auf ein "Schnäppchen" in einem Restaurant direkt am Strand eingelassen.
Der letzte Punkt verdient eine Erklärung. In vielen Küstenorten gibt es Restaurants, die vor allem auf Touristen ausgelegt sind: Die Speisekarte ist mehrsprachig, das Essen ist vorgekocht, und der Preis ist trotzdem hoch. Mein Tipp: Gehen Sie ein paar Straßen weit weg vom Wasser. Dort essen die Einheimischen – meistens besser und fast immer günstiger.
Wandern im Landesinneren: Der Geheimtipp für Ruhesuchende
Die Küste ist toll, aber sie ist nicht alles. Sardinien hat ein bergiges Hinterland, das viele Urlauber komplett ignorieren. Das ist aus meiner Sicht ein Fehler.
Besonders schön ist der Supramonte, eine wilde Karstlandschaft mit tiefen Schluchten und abgelegenen Hirtendörfern. Es gibt geführte Wanderungen, die auch Untrainierte mitmachen können, aber ich empfehle, sich zumindest eine gute Karte zu besorgen und nicht einfach loszulaufen. Die Wege sind nicht immer markiert, und das Gelände ist anspruchsvoll.
Die Gorropu-Schlucht: Eine Klasse für sich
Wenn Sie nur eine Wanderung machen, dann die zur Gola di Gorropu. Sie gilt als eine der tiefsten Schluchten Europas, und der Blick von unten nach oben ist schlichtweg atemberaubend. Der Abstieg dauert etwa eine Stunde, und der Weg ist steinig. Aber unten angekommen, fühlt man sich wie in einer anderen Welt.
Ich bin im Juni dort gewesen, als die Temperaturen noch erträglich waren. Es war ruhig – ich habe nur ein paar andere Wanderer getroffen. Das war einer der magischsten Momente, die ich auf Sardinien erlebt habe.
Fazit: Sardinien ist eine Reise wert – wenn Sie diese Tipps beherzigen
Sardinien ist kein Ort für passiven Urlaub. Wer einfach nur am Strand liegen will, ist vielleicht auf Mallorca besser aufgehoben. Aber wer sich auf die Insel einlässt – mit ihren Bergen, ihrer Geschichte, ihren Eigenheiten –, wird mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt.
Planen Sie nicht zu viel ein. Lassen Sie Raum für spontane Entscheidungen. Ein falsch abgebogener Weg kann Sie zur schönsten Bucht führen, die Sie je gesehen haben. Und das, ehrlich gesagt, ist das, was Sardinien für mich ausmacht: die Freiheit, sich zu verlaufen – und dabei das Eigentliche zu finden.
Packen Sie Wanderschuhe ein. Sie werden sie mehr brauchen, als Sie denken.